Protokoll
der Sitzung am 9. Dezember 2025
(12.2025 / 24. Jg.)
- Genehmigung des Protokolls vom 11. November 2025
Korrektur zu TOP 4: nicht Mühlen-, sondern Hülsbach! - Das KZ-Außenlager in Lengerich
Klaus Dölger wird aus seiner Kenntnis berichten und Fragen beantworten
Im Jahr 1969 hatte Klaus Dölger Hanna, geb. Heckmann-Stumpe, geb. 1928¹, geheiratet.
Die Ereignisse der Kriegsjahre 1939-1945, insbesondere das verheerende Bombardement kurz vor Ende des Krieges, hatten sich tief ins das Gedächtnis von Hanna Dölger eingebrannt und ihr Mann Klaus kennt die Berichte.
Offiziere der Waffen-SS beschlagnahmten 1944 das Haus Heckmann und Bauleute der „Organisation Todt“ quartierten sich ein. Sie waren für die Bauarbeiten im alten Tunnel zuständig. Man kam mit den Offizieren aus; sie hatten mit der Bewachung der Zwangsarbeiter im alten Tunnel, der als Außenlager des KZ-Neuengamme diente, nichts zu tun. Die Offiziere zeigten sich sogar kooperativ, indem sie z. B. den baufälligen Gewölbekeller zu einem Luftschutzraum ausbauten und einige Häftlinge für die Arbeit im großen Garten abkommandierten.
Nach Beendigung der Bauarbeiten im Tunnel fand die Leitung der Vereinigten Leichtmetallwerke Hannover Unterkunft, für die im Tunnel Flugzeugteile produziert wurden. In dem anderen Gastraum begann die Firma Hazemag zu arbeiten. Diese war von Allenstein in Ostpreußen über Berlin nach Lengerich geflüchtet. Die Inhaber, Familie Andreas, wohnten bei Heckmann-Stumpes, bis diese im März 1945 ausgebombt wurden. Das Haus wurde schwer getroffen und Schienenteile der TWE lagen im Garten.
Klaus Dölger berichtet, dass sich in einer Scheune eine Viehwaage befand und der Viehhändler Otto Baumann (Deetweg 1) von den Stallungen am Deetweg über Heckmanns Anwesen sein Vieh verlud und auf dem Schienenweg nach Wuppertal lieferte.
Dank an Klaus Dölger! - „Detaillierte Dokumentation: Auf den Spuren jüdischen Lebens “, WN 8.12.2025
Über 40 Jahre beschäftigt sich Gertrud Althoff mit dem jüdischen Leben im Münsterland und in Lengerich. Jetzt hat sie, zusammen mit ihrem Mann, ihre Recherchen zum jüdischen Friedhof hinzugefügt und die Dokumentation (DIN A 4 Ausgabe, 30 €) Bürgermeister Möhrke dediziert. Ihr Engagement ist anerkennenswert.
Frau Althoff war seitens der Stadt empfohlen worden, mit der Stolpersteingruppe des HV zusammenzuarbeiten, wozu sie sich leider nicht verhalten konnte. Bei einer Zusammenarbeit hätten Fehler vermieden werden können und der älteste jüdische Friedhof im Münsterland wäre qualitätvoller gewürdigt worden.
Die Stolpersteingruppe erwägt ein eigenes Buchprojekt. - Vertriebene nach 1945
Heimschulen in Niedersachsen – ein ungewöhnliches schulisches Angebot²
Marlies Leifheit vermittelt einen interessanten Eindruck vom Nachkriegs-Schulwesen in Bad Iburg. Sie hat ihr Abitur in der „Deutschen Heimschule Schloss Iburg“ (Internatsschule) ‚gebaut‘ (Ostern 1961). Deutschland hatte 1945 eine Bevölkerung von rund 65-67 Millionen Menschen, die durch den Krieg stark dezimiert war, aber durch die massiven Flüchtlings- und Vertreibungsströme aus Mittel- und Osteuropa (ca. 12 Millionen Menschen bis 1952) enorm anwuchs, wobei bis 1947 bereits über 10,7 Millionen Vertriebene in den Besatzungszonen ankamen. Ab dem Sommer 1945 betätigte sich Heinrich Albertz als „Flüchtlingspfarrer“ und kümmerte sich um die Integration der Menschen, die ihre Heimat verloren hatten.
1948 ins Leben gerufen, wurde mit engagiertem Lehrkörper die Wiederherstellung eines ‚normalen‘ Schulbetriebes in Iburg gestartet. Im Oktober 1948 gab es 90 externe und 120 interne Schüler. Das „Gymnasium in Aufbauform“ begann mit der 7. Klasse und führte in sieben Jahren zur Reifeprüfung.
Zur Historie: Der Schulreformer Dr. Hermann Lietz gründete 1898 in Ilsenburg (Harz) das erste Landerziehungsheim. Auf dem Land lebende Kinder und Jugendliche erhielten die Möglichkeit gymnasialer Ausbildung. Lietz wollte Lehrer und Erzieher sein. Schulisches Wissen und musisches Gemeinschaftsleben sollten in den Heimvolksschulen vermittelt werden.
Urfassung der Präambel von 1948:
„Es ist eine Ehre und ein Vorzug, der Gemeinschaft der Heimschule Iburg anzugehören. Dem christlichen Geist und der ritterlichen Tradition unserer Burg fühlen wir uns tief verpflichtet. Wahrhaftigkeit in allen Lagen, Ehrfurcht vor allem Großen, innere und äußere Sauberkeit sind die Grundpfeiler unseres Gemeinschaftslebens. Unsaubere Gesellen schließen sich von selbst aus. Wer lügt und pfuscht, gehört nicht zu uns. Den Streber lehnen wir ab, wir wissen aber, dass nur unermüdliche und sorgfältige Arbeit zum Ziele führt. Einander zu helfen, geistige und materielle Güter den Kameraden mitzuteilen, ist für uns selbstverständlich. Am fröhlichen Lachen erkennt man den echten Jungen und das echte Mädchen. Ansehen und Aussehen der Heimschule hängen von dir ab, auch und gerade in der Öffentlichkeit. Wahrheit, Güte und Schönheit sind unsere Leitsterne.“
Über Unterricht, musische Erziehung und körperliche Ertüchtigung durch Sport, Land- und Werkarbeit, das Gemeinschaftsleben und die Charakterbildung waren Erziehungskriterien für die Schüler, die aufgrund der Kriegsereignisse entwurzelt, ja durch brutale Ereignisse geschädigt worden waren. Für Halb- und Vollwaise sollte ein familiäres Erziehungsumfeld geschaffen werden. Aus dem Tagebuch eines „damals schon fanatischen Chronisten“ ist der abwechslungsreiche Speiseplan der Heimschule überliefert.
Dank an Marlies Leifheit. - Verschwörungstheorien und unser Umgang mit ihnen (Marlies Leifheit)
Bericht in der Januarsitzung - Die Lengericher Badegesellschaft auf Haus Intrup
Dieter Rogge widmet sich der Lengericher Badegesellschaft, die 1874 durch einen Antrag, 16 Unterzeichner, an den Bürgermeister gegründet werden konnte. Auf Haus Intrup (Familie Rahe) wurde sie in der Gräfte gebaut und erhielt Zustrom vom Hülsbach. Das preußische Kataster von 1891 nennt im Umfeld von Haus Intrup Meierei (Molkerei), Kabelfabrikation (Seilerei) und Ziegelei.
Man darf sich auf die Forschungsergebnisse von Dieter Rogge freuen. - Beiträge im Kreisjahrbuch 2026
Mit dem Jahresthema „Im Fluss der Zeit – Geschichten rund ums Wasser“ hat
Manfred Stöppel über die Anfänge der Wasserwirtschaft geschrieben und Bernd Hammerschmidt über das vergessene Zeugnis der Gräber zweier Zwangsarbeiterkinder. - Tagesvilla
Die Leiterin, Frau Altepost, schlägt vor, dass Mitglieder aus unserem Kreis mit den Seniorinnen und Senioren geeignete Themen besprechen.
Die Adresse der Tagesvilla ist Goethestr. 8, Lengerich. Telefon: 05481-30
Die Idee greifen Damen und Herren des AK gern auf. - Foto-Archiv Kiepker
Peter Oehmen gibt das entliehene „Schlenkermann-Album“ mit seltenen „Westdeutsche Luftfoto- Aufnahmen“ und umfänglichem Fotomaterial aus dem Fotohaus Kiepker an Alfred Wesselmann zurück und überlässt dem HVL einen Stick mit Scans der Fotos. Er berichtet über seine Bemühungen für den Erhalt des Fotoarchivs.
Familie Kiepker:
Der private Nachlass zum Vorfahr Adolf Michaelis verbleibt vorerst zur Sichtung bei
der Familie, kann aber auch (zumindest in Teilen) ggf. an die Stadt gehen
• Die alte wertvolle Meyer-Görlitz Atelier-Kamera Fritz Kiepkers wurde als
Nachlassposten ins Spiel gebracht. Sie soll in der Familie bleiben, kann aber als
Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt werden
• Hinsichtlich der Übernahmekosten ist die Familie gesprächsbereit.
• Peter Oehmen hat mit Cornelia Balzer, der Inhaberin des ebenfalls Ende letzten Jahres
aufgegebenen Fotohaus Kiepker in Burgsteinfurt Kontakt aufgenommen. Sie hat
Oehmens Idee, die Archive zusammenzuführen, nicht abgelehnt. Ihr wurde aber in
Burgsteinfurt ein Ausstellungsraum angeboten. Das dortige, im Lengericher Vergleich
ähnlich umfangreiche und interessante Archiv (in dem sich auch Material mit
Lengerich- und Familienbezügen befindet), sollte ggf. auch dem LWL überlassen
werden. Der Gedanke wurde verworfen, alle Optionen sind also offen.
• Der Kreis Steinfurt zeigt bislang kein Interesse.
• Fotohistorisch ist der Kreis Steinfurt und das künftige Archivgebiet ein weißer Fleck in der deutschen Landschaft. Hier können noch viele „Schätze“ gehoben werden. Als Beispiel kann das durch den Tod des Inhabers kürzlich aufgegebene Fotohaus Hilge in Ladbergen dienen. Peter Oehmen hat mit der Erbin Knappheit Kontakt aufgenommen und über dortige Bemühungen berichtet, die man auch bündeln könnte. Helmut Hilge war Lehrling bei Kiepker und hat schon in Kriegstagen in Lengerich fotografiert. Die unfassbare Aussage in Ladbergen, die Fotografien kämen alle in den Container, wenn man sie der Stadt überließe, hat für Entsetzen gesorgt und macht fassungslos!
• Peter Oehmen brachte zum Thema der Festwoche „275 Jahre Stadtrechte Lengerich“
rund 300 Fotografien aus seiner Sammlung mit, die er für künftige Bedarfe nach
Absprache zur Verfügung stellt.
- Termine
Es wird einen neuen Termin geben für den Vortrag ‚Geschichte der Evangelischen Kirche im Stadtteil Hohne‘.
Januar 2026: Peter Oehmen, Ohne Geld durch die Welt
21. Januar 2026: Dr. Christof Spannhoff: Suburbium – Wigbold – Stadt? TE im Mittelalter - Verschiedenes
Angeregt werden zwei Exkursionen im kommenden Jahr, nach Bad Iburg mit Stadt- und Schlossführung und/oder nach Bonn, HAUS DER GESCHICHTE. „In der neuen Dauerausstellung erleben Sie, wie sich Deutschland seit 1945 zu einer gefestigten Demokratie entwickelt hat – persönlich, alltagsnah und interaktiv“.
Das aktuelle Leegebruch-Journal und der Flyer des GHV zur Vortragsreihe 2026 werden verteilt.
Nächstes Treffen: Dienstag, 13. Januar 2026, 17 Uhr.
Berthold Ostermann Dr. Alfred Wesselmann
Protokollant Leitung
¹s. auch
Ingrid Rolfes, Helgard Weiß (Hrsg.)
Lengericher Frauen, Erzählte Lebensgeschichten, S. 132
²Die Niedersächsische Heimschule Iburg 1948 – 1971, 2006, 1. Auflage vom Verein für Orts- und Heimatkunde Bad Iburg e. V.




