Protokoll der Sitzung am 10. März 2026
- Genehmigung des Protokolls vom 10. Februar 2026
Das Protokoll wird genehmigt und auf der Webseite des HV veröffentlicht. - In memoriam Walburga Richter, geb. Densborn
Alois Thomes erinnert an Walburga Richter (19.2.1926-10.2.2026). Der HV hat ihr zu danken. Sie war die Tochter des Steinmetz und ‚Heimatmalers‘ Nikolaus Densborn. Anlässlich einer Bilderausstellung über ‚Lengericher Maler‘ 1987 schilderte sie in einem lebendigen Vortrag Leben und Werk ihres Vaters und schenkte dem HV einige Bilder (Stillleben, Landschaftsmotive). Um 1930 bemalte Nikolaus Densborn Krippenfiguren für Margareta. Sie werden bis heute im Weihnachtsfestkreis gezeigt (Vita Densborn s. Anlage). - Günther Schliek: Heimatfreund Josef Otte und der Bau des Tunnels
Josef Otte hatte Recherchen über den Bau des Tunnels erstellt und eine Ausarbeitung der Stadt gegeben, damit eine Veröffentlichung erfolge. Dies geschah seinerzeit nicht. Günther Schliek (Eisenbahnfreunde) bewahrt diese Unterlagen auf.
Der Bau der Bahnstrecke und die Erweiterung, die damit verbundenen Aufgaben und Problemstellungen, wurden reflektiert. - Karlrobert Kreiten (* 1916 in Bonn; † 7.9.1943 in Berlin-Plötzensee)
Berthold Ostermann berichtet: Der deutsche Künstler mit niederländischer Staatsbürgerschaft hatte eine glänzende Karriere als Pianist und lebte in Berlin, allerdings in einer viel zu kleinen Wohnung. Im Frühjahr 1943 stellten ihm der Ingenieur Willy Ott-Monecke und dessen Frau Ellen Ott-Monecke geb. Neumann, eine Freundin von Kreiten, den Musik- und Übungsraum ihrer Wohnung am Lützowufer 1 zur Verfügung.
Der „gläubigen Nationalsozialistin“ gegenüber, im privaten Kreis, äußerte Kreiten sich abfällig über den Nationalsozialismus und bezeichnete den Krieg als verloren. Ellen Ott-Monecke empörte sich darüber und denunzierte ihn bei ihrer Nachbarin Annemarie Windmöller (geb. Küstner), die als Schulungsleiterin der NS-Frauenschaft tätig war.
Am 3. Mai 1943 wurde Kreiten daraufhin in Heidelberg, wo er ein Konzert geben wollte, von der Gestapo verhaftet. Der Vorsitzende Richter Roland Freisler verurteilte Kreiten wegen vermeintlicher Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung am 3. September 1943 zum Tode.
Weder die Angehörigen noch die Rechtsanwälte wussten von diesem Gerichtstermin; erst nach einem anonymen Anruf bei der Schwester Kreitens wurden die Eltern in Düsseldorf informiert. Mehrere Gnadengesuche an Hitler wurden unverzüglich versucht, scheiterten aber daran, dass sie weder in Düsseldorf noch direkt in Berlin bis hin zum Justizministerium entgegengenommen bzw. verzögert wurden. Eine Annahme hätte aufschiebende Wirkung gehabt.
Karlrobert Kreiten wurde am 7. September 1943 zu Beginn der „Plötzenseer Blutnächte“ mit 186 anderen Menschen in Gruppen zu je acht Mann am Fleischerhaken erhängt. Es sollte ein Exempel unter jungen Künstlerinnen und Künstlern statuiert werden.
Josef Goebbels feierte an diesem Tag in seinem Ferienhaus in Lanke, nordwestlich von Berlin, seinen 46. Geburtstag. Er notierte in sein Tagebuch: „Der Briefeingang an diesem Tage ist enorm. Aus allen Briefen kann ich entnehmen, mit welcher Anteilnahme größte Teile des Volkes und insbesondere der Front meine Arbeit verfolgen. … ersehe ich doch daraus, dass ich auch in diesen kritischen Zeiten auf dem richtigen Wege bin und ungezählte wohlwollende und besorgte Menschen im ganzen Reich diese meine Arbeit mit wärmster innerer Anteilnahme verfolgen“.Am 20. September 1943, knapp zwei Wochen nach der Hinrichtung Kreitens, berichtete der spätere Fernsehjournalist Werner Höfer in einem kleinen Artikel im ‚12 Uhr Blatt‘ über den Prozess und die Hinrichtung Karlrobert Kreitens. Dabei hieß er u. a. das Unrechtsurteil und die Hinrichtung als „strenge Bestrafung eines ehrvergessenen Künstlers“ gut. Dieser Text wurde Höfer, der im bundesdeutschen Fernsehen Karriere machte, bereits 1962 und 1984 in der DDR vorgehalten, ohne dass sich jemand besonders für den Fall interessierte. Das änderte sich, als der Journalist Harald Wieser am 13. Dezember 1987 einen entsprechenden Artikel im Nachrichtenmagazin Der Spiegel veröffentlichte, der zu heftigen Debatten führte und Höfers Fernsehlaufbahn beendete.
Am 29.10.1943 erstellte ein Beamter der Berliner Gerichtskasse eine Kostenrechnung, die er „an die Erben des Pianisten Karlrobert Kreiten“ richtete. Für das Strafverfahren vor dem Volksgerichtshof ist eine Gebühr in Höhe von 300 Mark fällig. Die 63 Tage, die Karlrobert im Zellengefängnis verbrachte, schlagen mit 1,50 pro Tag zu Buche. Das sind zusammen 94,50 Mark. Die Gestapohaft ist unentgeltlich! Die Bestellung eines Pflichtverteidigers wurde mit 122,40 Mark berechnet. Die Hinrichtung kostet 122,18. Alles in allem müssen die Eltern, Emmy und Theo Kreiten, innerhalb von acht Tagen 639,20 Mark bezahlen.
Annemarie und Hermann Windmöller haben Berlin Ende März 1945 verlassen und sich nach Lengerich durchgeschlagen, wo sie bei ihrer Familie im großelterlichen Haus unterkamen. Hier findet Ende 1947 eine erste polizeiliche Vernehmung statt. Als Beruf gibt Annemarie Windmöller (ehemalige Schulungsleiterin der NS-Frauenschaft) Hausfrau an; Hermann, einst Ministerialrat, musste sich als einfacher Arbeiter verdingen. Nach Berlin, „in die Ostzone“, wollte das Ehepaar keinesfalls zurück. Frau Windmöller starb im Juli 1990 im Alter von 95 Jahren.
Quelle: Oliver Hilmes, Schattenzeit, Deutschland 1943: Alltag und Abgründe, PENGUIN-Verlag - Besuch des Hauses der Geschichte in Bonn (Alois Thomes)
Bitte für die Tagesfahrt werben! - Aus der Geschichte der TWE
Alois Thomes berichtet über Gründung, Bau und Betriebsaufnahme der Tecklenburger Wald Eisenbahn (TWE „Täglich Wenig Einnahmen“). Interessant und aufschlussreich ist die von A. Thomes gefertigte Karte „Erste Eisenbahnlinien in Westfalen“ (2 Anlagen).
Herzlichen Dank für den Beitrag. - Ein Gedicht von Carl Wagenfeld (9.2.1923)
Eine Analyse des vaterländischen Gedichtes erfolgt in der kommenden Sitzung.
Protokollant: Berthold Ostermann



